Außenlager des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora


Außenlager und Zwangsarbeit in Osterode


Der Bau der Helmetalbahn    


Die Lager der III. SS-Baubrigade



Das Außenlager Mackenrode

Auf der Peterswiese (vormaliger Besitzer war Hugo Engel) wurde an der Straße nach Limlingerode ein Außenlager am 21. 7. 1944 mit zunächst 150 Häftlingen eingerichtet und am 30. 7. 1944 mit 300 Häftlingen in Gebrauch genommen, als abends um etwa 22.00 Uhr eine aus 1000 Häftlingen bestehende Marschgruppe von Dora her auf der Kreuzung zwischen Tettenborn, Nüxei und Mackenrode eintraf und sofort auf die drei Lager Mackenrode, Nüxei und Osterhagen verteilt wurde. Die effektive Zahl im Lager Mackenrode schwankte nach den verfügbaren Unterlagen zwischen 100 und 475 Häftlingen. Zuvor, vom 3. bis zum 8. Juli 1944, entstanden zwei Schlaf- und eine Revierbaracke sowie außerhalb des eingezäunten quadratischen Bereichs eine Wachbaracke. Die nördliche Schlafbaracke (Block) dürfte nach Auswertung der Angaben von A. Bonifas erst Anfang 1945 errichtet worden sein.

   Die Bewachungsmannschaft und der erste Lagerführer gehörten der Luftwaffe an. Erst am 15. 1. 1945 wurden diese Soldaten in die Uniform der SS umgekleidet, nachdem bereits zum 1. 9. 1944 die Umsetzung der zu KZ-Bewachung eingesetzten Unteroffiziere und Mannschaften der Wehrmacht zur SS angeordnet worden war. Sie behielten aber vorerst noch ihre Fliegeruniform, da in Buchenwald das Etappenlager mit den bereitgestellten SS-Uniformen Ende September 1944 ausgebrannt war; so ist dies jedenfalls für das Lager Erich (Ellrich) dokumentiert.

   Letzter Lagerführer war Oberscharführer Walter Dotzauer. Als Lagerältester wird von Wagner (1995) ein gewisser Sandmann aufgeführt. Als SS-Mitglied des Wachbataillons wird für den 15. 12. 1944 bis 5. 4. 1945 ein in Jugoslawien geborener Deutscher, Josef Lenhard (1913) namentlich genannt, Tagelöhner und Analphabet. Die Gesamtstärke der Lagerführung und Wachmannschaft dürfte jeweils 12 Personen nicht überschritten haben. Bisher liegt kein Foto des Lagers Mackenrode vor.

   Die Häftlinge wurden zu Erdarbeiten sowie - für den Trassenabschnitt im Mackenröder Forst - zu Rodungsarbeiten eingesetzt. Diese Arbeiten wurden von allen Überlebenden als extrem schwer beschrieben. Die Rodungen erfolgten ohne jeden Maschinen- oder Pferdeeinsatz und die Verletzungsquote war hoch. Es musste bis nach dem Eintritt der Dunkelheit gearbeitet werden. Erst dann, d.h. nach 22.00 Uhr durften die Häftlinge die mittags angelieferte, dann natürlich ausgekühlte Suppe zu sich nehmen.

Anschaulich berichtet A. Bonifas über seine Ankunft in Mackenrode, das Lager und die Arbeitsbedingungen.

   Ein kleiner Vorfall schildert andere Facetten der Arbeitsumstände als die von Bonifas berichteten. Aus einem vertraulichen Brief vom Bauabschnitt IA (Maerker) an die Bauleitung B 13, Herrn Reg.BMstr. Schaeffer in Halle vom 6.2.1945 ergibt sich:
Am Sonntag, dem 4. 2. 1945 wurden 10 Häftlinge auf Anweisung des Bauleiters Holz vom Lager Mackenrode zu Streckenarbeiten abgestellt. Sie haben jedoch statt dessen in Limlingerode bei einem Bauern Kartoffeln verladen, 3,5 Stunden über den Sonntagsdienst hinaus. Es sollen auch Kartoffeln entwendet worden sein. Dieser Vorgang wird von dem Lagerführer und dem Wachtposten Sturmmann Eller, Lager Mackenrode, bezeugt. Es bestünde Verdacht auf geschehenen oder versuchten Betrug am Reich. Holz soll beim Bauern Jagdgast und der Vorgang damit eine Gefälligkeit gewesen sein. Maerker habe den Vorgang zuständigkeitshalber dem Amtsvorsteher in Tettenborn weitergeleitet.

   Nach dem Krieg, am 17. 1. 1946 meldet der Bürgermeister von Mackenrode, daß auf dem Dorffriedhof der französische Häftling Adree (sic!) Briolat, begraben am 6. 2. 1945, Häftl.-Nr. 43941, und ein nicht identifizierter belgischer Häftling (Nr. 43717) ruhen. Letzterer, den Albert van Dijk später als seinen Mithäftling Josef Fruyt identifizieren konnte, war am 31. August 1944 mit einem Transport, dem auch Aimé Bonifas, Eugène Baradeau und Amaro Castellvi angehörten, aus Laura nach Dora gekommen. Fruyt kam anfänglich nach Nüxei, am 26. 12. 1944 ins Krankenrevier nach Wieda und nach seiner Entlassung aus dem Revier nach Mackenrode, wo er zwei Monate später wegen des Kartoffeldiebstahls erschlagen wurde.
Am 22. 8. 1974 berichtet Bürgermeister Karl Wolf für den Rat der Gemeinde Mackenrode an die Mahn- und Gedenkstätte Mittelbau-Dora über sechs auf dem örtlichen Friedhof begrabene Häftlinge, deren sterbliche Überreste bereits 1945 durch den inzwischen verstorbenen Fuhrunternehmer Ernst Straube nach Nordhausen verbracht worden waren. Es handele sich um einen französischen Häftling mit der Nummer 43941, einen belgischen Häftling 43717 [Anm.: Josef Fruyt], zwei polnische Häftlinge 7857 und 113507 sowie zwei sowjetische Häftlinge 2594 und 23860.
Anmerkung: Eine am 23.6.1944 im Konzentrationslager Buchenwald ausgestellte Liste der zur III. SS-Baubrigade in den Südharz überstellten Häftlinge weist keine dieser Nummern auf.

Blick auf den Gedenkstein und das Dorf Gedenkstein Oberhalb des Lagers, am ehemaligen Lagertor, wurde 1995 durch die Gemeinde Mackenrode ein Gedenkstein gesetzt.

Bericht von A. Bonifas

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Das Außenlager Wieda

Am 12. April 2000 wurde am Rande des früheren Lagerbereiches durch Bürgermeister Hoppstock und Landrat Reuter in Anwesenheit der Teilnehmer des Lebensmarsches eine Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben.

Bei der Errichtung dieses Gedenkortes wurde die ArGe Spurensuche Südharz dankenswerterweise mit Rat, Tat bzw. finanziell unterstützt durch: Samtgemeindedirektor Frank Uhlenhaut, Walkenried, und Mitarbeiter des Bauhofes in Wieda, Willi Kamphenkel, Wieda, und KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

   Die Tafel enthält die folgenden kurzen Informationen zum Lager:
Unweit dieser Stelle bestand vom 11. Mai 1944 bis 7. April 1945 hinter Stacheldraht und Wachtürmen das Hauptlager der III. SS - Baubrigade.Auf dem Lagergelände stand das ehemalige Wiedaer Schützenhaus, das als Häftlingsunterkunft diente und mit Baracken an dieser Stelle und am Ufer der Wieda ergänzt wurde. Im Lager waren neben der SS-Verwaltung die Versorgungsküche, das Krankenrevier und ein Wäschelager untergebracht.

   Die III. SS - Baubrigade umfasste etwa 1200 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Buchenwald bei Weimar und später aus dem Konzentrationslager Mittelbau bei Nordhausen. Die meisten waren aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen und der Sowjetunion. Ihre Bewachung erfolgte überwiegend durch Luftwaffenangehörige.

   Durchschnittlich 300 Häftlinge waren im Hauptlager Wieda untergebracht. Viele waren zum Barackenbau im Bereich der Rüstungsbetriebe um den Kohnstein zwischen Woffleben und Niedersachswerfen eingesetzt. Andere versorgten die dem Lager Wieda unterstellten KZ-Außenlager in Mackenrode, Nüxei und Osterhagen, deren Insassen eine Umgehungsbahn zwischen Osterhagen und Nordhausen, die unvollendet gebliebene Helmetalbahn, errichten mussten. Die Häftlinge wurden auch für Zivilarbeiten an Betriebe verliehen, die aus gefährdeten Großstädten in den Südharz ausgelagert waren; 6 Reichsmark Tagesmiete nahm die SS für gelernte Häftlinge ein, 4 RM für ungelernte.

   Viele Häftlinge haben die Zwangsarbeit, die gezielte Vernachlässigung durch Hunger, Kälte und Krankheit sowie das Terrorregime von SS und Kapos auf den Baustellen und in den Lagern nicht überlebt. Sechs noch am Tag der Auflösung des Lagers umgekommene Häftlinge ruhen als Unbekannte auf dem Wiedaer Friedhof.

   Bei Heranrücken der Alliierten wurde am 7. April 1945 das Lager Wieda mitsamt den drei Außenlagern, zusammen 1135 Personen, evakuiert, davon 800 in Fußmärschen über den Harz nach Norden und 335 Gehunfähige in Güterwaggons. Nur wenig mehr als die Hälfte der Menschen hat diese Strapazen überlebt. Viele von ihnen wurden unterwegs von der SS ermordet, Hunderte bei Gardelegen lebendig verbrannt.

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