Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion

zusammen mit der Stadt Herzberg am Harz und der Gruppe Spurensuche der Kreisvolkshochschule Osterode


Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus



Mittwoch, der 27. Januar 1999

Öffentliche Vortragsveranstaltung in der Aula des EMA-Gymnasiums in Herzberg am Harz, 19.30 - 21.00 Uhr


PROGRAMM


In einer Begleitausstellung im Foyer des Gymnasiums wurden Fotos, Stadtpläne, Dokumente und insbesondere Großfotos der alliierten Luftaufklärung über Herzberg vom April 1945 gezeigt.




Jens-Christian Wagner

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

   Wenn wir über die Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus reden, dann reden wir zuallererst über die Geschichte der Ausländerbeschäftigung in dieser Zeit. 7,7 Millionen ausländische Zivilarbeiter/-innen ("Fremdarbeiter") und Kriegsgefangene wurden im Herbst 1944 in Deutschland und Österreich zur Arbeit gezwungen, davon etwa 1/3 in der Landwirtschaft und 2/3 in der Industrie.

   Insgesamt war gegen Kriegsende etwa jede fünfte Arbeitskraft in Deutschland ein/e Ausländer/in. Dazu kamen noch - und das sollte gerade am heutigen Gedenktag der Befreiung des KZ Auschwitz nicht vergessen werden - mehrere Hunderttausend meist ausländische Häftlinge aus Hunderten von KZ-Haupt- und Außenlagern, die ebenfalls als Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden.

   Der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte in der deutschen Kriegswirtschaft war in der NS-Führung nicht unumstritten. Vielmehr war er Ausdruck einer ständigen Improvisation, mit der sich die deutsche Führung den sich ändernden Bedingungen während des Krieges anpasste. Gleichwohl war die Zwangsarbeit, wenn auch nicht von ausländischen Arbeitskräften, bereits in den dreißiger Jahren ein integraler Bestandteil der NS-Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Schon die ersten arbeitsrechtlichen Maßnahmen der neuen Reichsregierung, also die schrittweise Einführung des Arbeitsdienstes oder die Einschränkung des freien Arbeitsplatzwechsels, zielten ab 1933 auf eine Militarisierung der Arbeitsverhältnisse ab. Als 1936 mit dem Vierjahresplan die Aufrüstunsgspolitik forciert wurde, machte sich statt der Arbeitslosigkeit bald ein zunehmender Arbeitskräftemangel bemerkbar. Im Jahre 1938 reagierte die Arbeitsverwaltung darauf mit der Einführung der Dienstpflicht und ging damit endgültig zur Zwangslenkung des Arbeitsmarktes über. Die Chiffre dieses arbeitsrechtlichen Zustandes war der Begriff des "Arbeitseinsatzes".

   Als mit Beginn des Krieges männliche deutsche Arbeitskräfte in immer größeren Zahlen in die Wehrmacht eingezogen und damit der Kriegswirtschaft entzogen wurden, stand die NS-Führung vor der drängenden Frage, wie sie diese Verluste von Arbeitskräften ausgleichen konnte. Wie sich bald herausstellte, konnte die Überführung polnischer Kriegsgefangener in die Landwirtschaft den Arbeitskräftemangel allenfalls mildern. Einen Ausweg hätte die Beschäftigung von Frauen geboten, doch diesem standen bis zum Kriegsende ideologische Bedenken in der männlichen NS-Führung entgegen. So schien im Winter 1939/40 nur noch der "Poleneinsatz" übrig zu bleiben, wie die Zwangsanwerbung polnischer ziviler Arbeitskräfte genannt wurde. Bis zum Sommer 1940 wurden bereits über 300.000 polnische Männer und Frauen nach Deutschland deportiert, zusammen mit den polnischen Kriegsgefangenen arbeiteten zu dieser Zeit etwa 700.000 Polen/innen im Reichsgebiet.

   Mit den deutschen Eroberungsfeldzügen wurden ab dem Frühjahr 1940 weitere Hunderttausende Zivilarbeiter/innen und Kriegsgefangene aus den deutsch besetzten Ländern mehr oder weniger gewaltsam nach Deutschland gebracht, vor allem Franzosen, Belgier und Niederländer. Eine neue Dimension erreichte der "Ausländereinsatz" im Sommer 1941 mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Nach dem schnellen Siegen über Polen und Frankreich war die deutsche Führung von einem ebenso schnellen Sieg über die Sowjetunion überzeugt. Daher glaubte sie auch zunächst auf die Arbeitskraft sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilarbeiter verzichten zu können. Stattdessen planten die NS-Bevölkerungsexperten, die sowjetische Bevölkerung in den besetzten Gebieten systematisch auszuhungern. Ziel war der "natürliche" Genozid.
"In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Rußland verhungern. Vielleicht ist das gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen",
meinte Hermann Göring im November 1943 gegenüber dem italienischen Außenminister Graf Ciano.

   In den Kriegsgefangenenlagern hinter der Front siechten zu diesem Zeitpunkt die sowjetischen Kriegsgefangenen dahin. Von den fast 4 Millionen seit Juni 1941 in deutsche Gefangenschaft geratenen sowjetischen Kriegsgefangenen ließ die Wehrmacht bis Februar 1942 nahezu drei Millionen verhungern, ein Schicksal, das die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten häufig teilte. Im Winter 1941/42 war die Blitzkriegstrategie der Wehrmacht endgültig gescheitert, und die deutsche Kriegswirtschaft musste sich auf einen langen Abnutzungskrieg einstellen. Damit geriet das ideologisch motivierte genozidale Projekt der Nationalsozialisten in einen immer stärkeren Gegensatz zu kriegswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Im Klartext: Die Nazis töteten die Menschen, die sie als Arbeitskräfte doch eigentlich dringend benötigten.

   Nach teils heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der NS-Führung setzte sich ab 1942 eine "pragmatischere" Linie durch. Zur Zentralisierung des Ausländereinsatzes wurde Anfang 1942 die Stelle eines "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz" geschaffen, die mit dem Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel besetzt wurde. Sauckels Arbeitsverwaltung hatte im wesentlichen die Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Arbeitskräfte nach Deutschland zu bringen. Dabei gingen seine aus den Arbeitsämtern rekrutierten Mitarbeiter besonders in den besetzten Ostgebieten brutal vor und verschleppten die Einwohner ganzer Ortschaften nach Deutschland. Allein im Jahr 1942 wurden auf diese Weise über 1,5 Mio. Ostarbeiter, wie man die sowjetischen Arbeitskräfte nannte, nach Deutschland gebracht, wöchentlich fast 30.000. Bald gab es auch im kleinsten Dorf ein "Ostarbeiterlager", und die Städte waren von einem Netz von Lagern verschiedenster Kategorien überzogen.

   Die letzten Kriegsjahre waren schließlich von einer weiteren Radikalisierung gekennzeichnet, die u.a. auch den Südharz in besonderem Maße betraf. Angesichts der alliierten Luftherrschaft und der zurückweichenden Fronten versuchte die deutsche Führung, Teile der Rüstungsindustrie nach Mitteldeutschland zu verlagern. Nachdem bereits in den dreißiger Jahren viele Betriebe in der Harzregion in die Aufrüstungspolitik eingebunden worden waren, bedeuteten die Industrieverlagerungen seit dem Herbst 1943 einen weiteren, wenn auch nur vorübergehenden Industrialisierungsschub. Viele Rüstungsunternehmen zogen in stillgelegte Betriebe ein, andere versuchten im Rahmen der propagierten Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie ihre Fertigung in bombengeschützte Stollensysteme oder Höhlen zu verlegen. Die Zahl der in der Region zusammengezogenen Arbeitskräfte erhöhte sich dadurch drastisch. Ein großer Teil der Arbeitskräfte in den verlagerten Betrieben und auf den Baustellen der unterirdischen Verlagerung waren Ausländer, darunter besonders viele KZ-Häftlinge. Für diese wurden in der Nähe der Betriebsstätten und Baustellen KZ-Außenlager eingerichtet. Anfang 1945 erstreckte sich über den Südharz ein Netz von über 30 Außenlagern des KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Dazu kamen Hunderte von Kriegsgefangenen- und Fremdarbeiterlagern, die Region war von Zwangsarbeiterlagern also förmlich übersät.


   Wie sahen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeitskräfte in Deutschland aus? Der NS-Rassenhierarchie entsprechend wurden die ausländischen Arbeitskräfte streng voneinander getrennt. Am schlechtesten ging es den sowjetischen Arbeitskräften. Bei härtesten Arbeitsbedingungen - Freizeit gab es kaum, von Urlaub ganz zu schweigen - wurden ihnen die geringsten Lebensmittelrationen und Kleiderzuteilungen zugebilligt, und ihre Unterkünfte waren am dichtesten belegt. Eine ärztliche Betreuung gab es kaum, und wenn "Ostarbeiterinnen" schwanger wurden, nahmen ihnen die Arbeits- und Gesundheitsämter die Neugeborenen bald ab und brachten sie in "Säuglingsheime", in denen sie meist nach kurzer Zeit starben. Auch unter den Erwachsenen gab es immer wieder Todesfälle, von denen auch heute noch zahlreiche Gräber auf den örtlichen Friedhöfen zeugen.

   Die Lebensbedingungen der polnischen Arbeitskräfte unterschieden sich von denen der sowjetischen nur wenig, während es den Arbeitern/-innen aus dem Westen allgemein etwas besser ging. Freilich war auch ihre Situation deutlich schlechter als die der Deutschen, so dass die rassistische Hierarchie in der Praxis überall sichtbar wurde und sich fortwährend stabilisierte.

   Eine Sonderstellung nahmen die italienischen Arbeitskräfte ein. Bis zum Sommer 1943 hatten sie als Bürger eines verbündeten Staates gegenüber den anderen ausländischen Arbeitskräften gewisse Vorrechte. Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 entluden sich jedoch die bis dato von der NS-Propaganda mühsam gezügelten tief sitzenden rassistischen Vorurteile in einem umfassenden Ausbruch der Gewalt gegenüber den italienischen Arbeitskräften. Innerhalb kürzester Zeit wurden 600.000 italienische Soldaten, die sich geweigert hatten, auf deutscher Seite weiterzukämpfen, nach Deutschland gebracht, wo sie unter ähnlich schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen zu leiden hatten wie die sowjetischen Arbeitskräfte.

   Die deutschen Sicherheitsbehörden und die ideologischen Scharfmacher aus der Partei betrachteten den Ausländereinsatz von Anfang an mit Misstrauen. Zum einen sahen sie in der Anwesenheit derart vieler ausländischer Arbeitskräfte eine Beeinträchtigung der inneren Sicherheit, und zum anderen fürchteten sie wegen der zwangsläufigen Kontakte zwischen Deutschen und Ausländern um den Erfolg ihrer "Volkstumspolitik". Vor allem in der Führung von SS und Partei wurde in scharfen Stellungnahmen auf die Gefahren der Beschäftigung von "Fremdvölkischen" hingewiesen und eine strenge Reglementierung und eine Behandlung nach "rassischen" Gesichtspunkten gefordert. Als im März 1940 die sog. Polenerlasse und analog dazu Anfang 1942 die "Ostarbeitererlasse" veröffentlicht wurden, stand neben der "Arbeitsbummlei" der "verbotene Umgang" zwischen Deutschen und Ausländern im Mittelpunkt der repressiven Bestimmungen. Bei sexuellem Kontakt mit deutschen Frauen drohte polnischen und sowjetischen Männern die öffentliche Hinrichtung, den deutschen Frauen die Diffarmierung (Haareabschneiden, an den Pranger stellen) und Gefängnis- oder KZ-Haft.

   Mit Argusaugen beobachteten staatliche und parteiamtliche Behörden den täglichen Umgang zwischen Deutschen und ausländischen Arbeitskräften. Voller Misstrauen ließen sie die deutschen "Volksgenossen" bespitzeln. Ihre Berichte füllen meterdicke Aktenbestände und wirken bisweilen grotesk: So berichtete ein Gendarmeriebeamter 1943 an den Landrat in Nordhausen, deutsche Frauen hätten
"nur die gefangenen Franzosen in ihr Herz geschlossen, an andere Rassen gehen dieselben nicht so leicht."
Aus heutiger Sicht wirkt dieser einfältige Rassismus lächerlich, für die Opfer hatte er jedoch häufig mörderische Konsequenzen. Die Forderung nach radikalen "Lösungen" war dabei keineswegs auf die ideologischen Vorkämpfer in der Partei und der SS beschränkt. Ein exterminatorischer Rassismus zeigte sich besonders auch in der Justiz. Einen wesentlichen Grundstein bildete auch hier der Diskurs der "inneren Sicherheit". Analog zu den Berichten über den Partisanenkampf hinter der Ostfront, der als Begründung für die Massenerschießungen jüdischer Menschen herangezogen wurde, bildete der Verweis auf die Gefahren, die angeblich von den Ausländern ausgingen, die Rechtfertigung für Repressionen. So berichtete die Nordhäuser Oberstaatsanwaltschaft im September 1942,
die "vagabundierenden Russen und Ukrainer" in der Region Nordhausen und im Eichsfeld seien "zu einer wahren Landplage geworden" und hätten "zu einer ernsten Beunruhigung in der Bevölkerung geführt, weil eine Reihe schwerster Bluttaten auf das Konto solcher vagabundierenden Russen zu bringen ist". Es sei "daher verständlich, daß die Staatspolizei versucht, diese Fälle an sich zu ziehen und die Russen zu ‚liquidieren'".

   War die Bevölkerung tatsächlich beunruhigt? Ganz entscheidend für das Verhalten der Bevölkerung war das Deutungsangebot, mit dem die NS-Propaganda die Verfolgungs- und Ausbeutungspolitik gegenüber den ausländischen Arbeitskräften rechtfertigte. Einen wesentlichen Anteil hatte dabei der Diskurs der inneren Sicherheit, der es ermöglichte, die Ausländer als Gefahr wahrzunehmen, vor der die deutsche Bevölkerung geschützt werden musste. Die "lagermäßige Unterbringung", wie der NS-Jargon das Einpferchen in bewachte Massenquartiere nannte, bot dabei die Möglichkeit, dieses Bild zu vertiefen - immerhin war der im Lager Untergebrachte automatisch mit dem Stigma des Undisziplinierten und "Gemeinschaftsfremden" behaftet, der zur "Ordnung" gezwungen werden musste.

   Insgesamt scheint der Ausländereinsatz die deutsche Bevölkerung jedoch nur wenig gekümmert zu haben, vor allem, als mit dem Einsetzen der alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte das eigene Leben beschwerlicher und die eigenen Sorgen größer geworden waren. So ist die Lage der ausländischen Arbeiter, besonders der aus dem Osten, meist gar nicht als etwas sonderlich Bemerkenswertes empfunden worden, zumal die Ablehnung des "Bolschewismus" und generell der "Russen" auch in solchen Bevölkerungskreisen verbreitet war, die dem Nationalsozialismus eher distanziert gegenüberstanden.

   Bei aller Indifferenz gegenüber dem Schicksal der ausländischen Zwangsarbeiter - auf die Sozialstruktur in der deutschen Arbeiterschaft hatte der Ausländereinsatz erhebliche Auswirkungen. Niedere, schmutzige und schlechter bezahlte Arbeiten wurden kaum noch von Deutschen verrichtet, und diese Entwicklung ist bis Kriegsende immer stärker zu beobachten. Die soziale Stufenleiter in den Betrieben wurde künstlich um eine oder mehrere Sprossen nach unten verlängert. Damit stand der deutsche Arbeiter über seinem ausländischen Kollegen, den er zur Arbeit antreiben konnte. Gerade dieser Wandel in der Sozialstruktur hat dem Nationalsozialismus auch in der Arbeiterschaft eine breite Basis verschafft, an der sich bis zum Kriegsende nur wenig änderte.

   Es erwies sich, wie der Freiburger Historiker Ulrich Herbert zu Recht bemerkt hat, dass das nach rassistischen Kriterien hierarchisierte Modell der nationalsozialistischen Gesellschaft funktionieren konnte, dass eine solche, nach manichäischen Wertsetzungen organsisierte Gesellschaft durch Terror gegenüber den Angehörigen "niederer" Nationalität und durch Bevorzugung der Angehörigen des deutschen "Herrenvolkes" die sozialen Spannungen innerhalb der deutschen Gesellschaft hinter den nationalen bzw. "rassischen" Gegensätzen zurücktreten ließ. Der Rassismus wurde zur täglichen Praxis, zum Alltag. Er war nicht nur ideologischer Fixpunkt des Regimes, sondern sicherte auch lange sein Überleben.


   Bei Kriegsende wurden aus den Millionen Zwangsarbeitern sog. "displaced persons", die von den Alliierten nach und nach in ihre Herkunftsländer repatriiert wurden. Dort wurden sie nicht immer freundlich aufgenommen. Besonders in der Sowjetunion waren sie dem Vorwurf ausgesetzt, mit den Deutschen kollaboriert zu haben, und nicht wenige verschwanden erneut in Lagern. In den anderen Ländern hatten sie mit den physischen und psychischen Spätfolgen der Zwangsarbeit zu kämpfen, die ihnen eine Wiedereingliederung in ihren alten Beruf bisweilen unmöglich machten. Eine Entschädigung haben die meisten ehemaligen Zwangsarbeiter aus Deutschland nie erhalten. Das trifft besonders auf die Arbeitskräfte aus den ehemaligen Ostblock-Ländern zu, die von den in den fünfziger Jahren von der Bundesregierung zugestandenen Entschädigungsleistungen ausgeklammert wurden.

   In der deutschen Bevölkerung setzte sich die Indifferenz gegenüber dem Schicksal der Zwangsarbeiter in der Nachkriegszeit fort. Wie die Bombenkrater und die Lebensmittelmarken wurden die ausländischen Zwangsarbeiter in der Erinnerung als Begleiterscheinungen des vergangenen Krieges abgelegt. Jahrzehntelang interessierte sich in Deutschland, besonders im Westen, kaum jemand für ihr Schicksal. Das gilt auch für die Geschichtsforschung, die dieses Thema erst Mitte der achtziger Jahre "entdeckt" hat, und das auch nur durch den Anstoß sogenannter "Barfußhistoriker", die vor Ort den Spuren der Vergangenheit nachgegangen sind.

   Trotz der in den letzten Jahren veränderten Haltung haben die überlebenden Zwangsarbeiter im Gegensatz zu den Betrieben, die von ihrer Arbeitskraft profitierten, kaum eine Lobby in Deutschland. Die Entschädigungsdiskussion der letzten Monate ist im wesentlichen vom Ausland angestoßen worden, und es muss befürchtet werden, dass eine Entscheidung in dieser Frage so lange hinausgezögert wird, bis die letzten Überlebenden gestorben sind.




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