Das Außenlager Osterhagen




Das Lager Osterhagen der III. SS-Baubrigade wurde am 5. 7. 1944 in einer ehemaligen Ziegeleigrube angelegt. Die etwa 300 Häftlinge mussten die Trasse für die unvollendet gebliebene Verbindungsbahn Osterhagen - Nordhausen (Helmetalbahn) verlegen. Viele kamen unter dem Terrorregime von SS und Kapos, durch Erschlagen, Verhungern, Erfrieren, Krankheit, Erschöpfung und völlige Verelendung ums Leben.

   [Winter 1945] "Im schnellen Tempo trägt uns der Lastwagen davon, ich habe keine Ahnung, in welches der drei Zweiglager von Wieda. Im stillen hoffe ich, nach Mackenrode zurückzukehren... Plötzlich Wachttürme in einer weiträumigen Ödlandschaft: Osterhagen, das berüchtigte Straflager. So werde ich, bloß weil die Lücken aufgefüllt werden müssen, in dieses höllischste Lager verschickt. In einer Senke, versteckt für neugierige Blicke, stehen drei Baracken. Ein richtiges Todesloch, kein Baum in der Nähe, nur eisige Öde. Es ist zum Heulen. Hier verzichtet man auf die nationalsozialistische Dekoration. Der Mensch zählt schon nicht mehr. Er hat nur noch auf seinen Tod hin zu leben! Bei unserer Ankunft kommen einige Häftlinge heraus. Was sofort ins Auge fällt, ist ihre unglaubliche Verschmutzung. Sie sind abgemagert, ihre Bekleidung ist zerrissen, ihre Blicke sind scheu. Doch hier bin ich mehr als anderswo erschüttert von ihrem Ausdruck wie gehetzte Tiere. Sie tragen den Stempel eines maßlosen Leidens."

   [Frühjahr 45] "Wenn endlich nach soviel Anstrengungen, Qualen und kleinen Sorgen das Ende der Arbeit herangekommen ist, müssen die Toten zusammengesucht werden; müssen wir, eine verängstigte Herde, mit gekrümmten Rücken den Schlägen ausweichen. Noch ein Appell, unbeweglich, den Kopf entblößt bei allen Witterungsunbilden. Dann das Gedrängele um einen Liter heißes Wasser, genannt Suppe. Schließlich das Stürzen in den Schlafraum, um sich ein Lager zu sichern. Im Lager herrscht das Gesetz des Dschungels. Die Decken sind längst zur Anfertigung von Fußlappen zerrissen... Manchmal müssen Amaro und ich auf dem nackten Fußboden schlafen... Wir stürzen uns auf alles, was auch nur einigermaßen eßbar aussieht: auf Gras, Wurzeln, Rüben- oder Kartoffelschalen. Die ersten Löwenzahnblätter sind eine Delikatesse; man würde Steine essen, wenn sie nicht so hart wären!"
So beschreibt im Sommer 1945 der französische Pastor und Häftling Aimé Bonifas seine Ankunft am 25. Dezember 1945 und die Zustände im Lager.


Gedenkstein und Informationstafel am Rand des ehemaligen Lagergeländes

Bei der Errichtung dieses Gedenkortes wurde die ArGe Spurensuche Südharz dankenswerterweise mit Rat, Tat bzw. finanziell unterstützt durch: Stadtdirektor Otto Matzenauer, Bad Lauterberg im Harz, Thomas Wüstefeldt und Mitarbeiter, Kalkwerk Gillersheim (Steinbruch Osterhagen), Steinmetzbetrieb Fehling, Herreden, Eisengießerei Königshütte, Bad Lauterberg, und KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

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Grundriss des Außenlagers Osterhagen



Die Baracken des Lagers wurden abgerissen, die stabilen Holzwände weiter verwendet. Wanderer entdeckten diese erstörte Informationstafel. Der Versuch, den Aufsteller umzuwerfen, scheiterte. Die Glasscheibe wurde zerbrochen, auch der Text zerkratzt. Es ist nicht bekannt, ob diese Tat beobachtet wurde und ob es sich "nur" um Vandalismus handelte oder die Tat einen anderen Hintergrund hatte.


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